Die Provenienz der Kultur oder: Von der Trauer des Verlusts zum universalen Menschheitserbe


Was ist Kultur? Wie entsteht sie? Wem gehören kulturelle Zeugnisse? Welche Seh- und Lesegewohnheiten haben wir entwickelt? Wie entsteht verantwortungsvolle Architektur und verantwortungsvolles Design?

Die Frage nach der Herkunft von Kultur, von Kunstwerken und Artefakten ist nicht erst seit dem Streit um die Ausrichtung des Humboldt Forums in Berlin höchst umstritten. Bénédicte Savoy plädiert in ihrem Essay „Die Provenienz der Kultur“ für eine radikal neue Perspektive, die von den Objekten, ihrer individuellen Biografie und ihrem Weg »zu uns« ausgeht. Dabei wird nicht nur ihre Herkunft transparent gemacht, sondern auch die Kolonial- und Gewaltgeschichte und darüber hinaus in zwei Wörtern die Handels- und Austauschbeziehungen und die wissenschaftlich begründete Neugier, die sie ins Museum brachten. Entgegen der Abschottung aus Angst vor Restitutionen kann ein solcher Blick zusammenführen und zur Idee eines gemeinsamen Welterbes beitragen.

Beim Erschaffen von Neuem stellt sich die Frage, nach der Verwurzelung im Bestand, nach der kulturellen Provenienz.

Victor Papanek war ein starker Befürworter eines sozialen und ökologisch nachhaltigen Designs von Produkten, Werkzeugen und infrastrukturellen Einrichtungen. Sein Buch „Design for the real world“, 1971 (Dt.: „Das Papanek Konzept“). Anleitungen für eine humane Ökologie und sozialen Wandel gehört zu den wichtigsten Werken im Bereich der Gestaltung und trifft mit seinem kultur- und konsumkritischen Anliegen noch immer den Nerv in der Diskussion um Nachhaltigkeit.

Denn es reicht nicht aus, sich mit formaler Gestaltung zu beschäftigen bzw. mit dem bloßen Entwurf von Gegenständen.

Heute wird praktisch alles entworfent: das Klima, Prozesse, Flüchtlingslager. Wenn jedoch alles designt wird, ist es höchste Zeit, Design nicht länger allein nach ästhetischen Gesichtspunkten zu bewerten. Wir brauchen, so Friedrich von Borries, eine politische Designtheorie. Der Mensch ist gezwungen, die Bedingungen, unter denen er lebt, zu gestalten. Geschieht dies so, dass Handlungsoptionen reduziert werden, haben wir es mit Unterwerfung zu tun.

In seinem Manifest plädiert von Borries für ein entwerfendes Design (des Überlebens, der Gesellschaft, des Selbst), das sich der totalitären Logik der Versicherheitlichung entzieht und gegen die Ideologie der Alternativlosigkeit neue Formen des Zusammenlebens imaginiert.

Im Rahmen des Wahlfachs wird der Versuch unternommen, sich nicht allein mit dem Kulturbegriff, sondern insbesondere mit der Idee eines gemeinsamen Welterbes ebenso auseinanderzusetzen, wie mit Verantwortungsprinzipien des Entwurfs und Designs. Dies geschieht einerseits mit der Lektüre von Bénédicte Savoy „Die Provenienz der Kultur“ 2018, Victor Papanek „Das Papanek Konzept“ 1972 sowie Friedrich von Borries „Weltentwerfen“ 2016, dem praktischen Entwurf, plastischen und bildnerischen Gestalten in Übungen, sowie ggf. in einer Tagesexkursion nach Weil am Rhein ins Vitra-Design-Museum zur Ausstellung „Victor Papanek - The Politics of Design“.

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